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WSB Zeitreise - Aufbruch in eine neue Zeit

Der Westfälische Schützenbund seit 1982.

Mit der Eröffnung des Landesleistungszentrums in Dortmund begann für den Westfälischen Schützenbund im Jahr 1982 eine neue Epoche. Der Verband verfügte nun nicht nur über eine moderne sportliche Heimat, sondern auch über die Voraussetzungen für große nationale und internationale Wettbewerbe. Gleichzeitig wurde die Jugendarbeit, die Verwaltung und die Öffentlichkeitsarbeit professionalisiert. Neue gesetzliche und ökologische Anforderungen stellten Vereine und Schießstandbetreiber jedoch vor wachsende Herausforderungen.

Besonders sichtbar wurde der Wandel beim Internationalen Saisonauftakt für Sportschützen, kurz ISAS. Was 1985 mit einigen europäischen Mannschaften begann, entwickelte sich zu einer der bedeutendsten internationalen Schießsportveranstaltungen Deutschlands.

Eine Geschäftsstelle für den modernen Verband

Mit dem Betrieb des Landesleistungszentrums befand sich auch die Geschäftsstelle des Westfälischen Schützenbundes an der Eberstraße 30 in Dortmund. Bis zum 1. Mai 1997 wurde sie von Ferdinand Grah geleitet. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand übernahm der Diplom-Kaufmann Frank Rabe die Geschäftsführung.

Rabe kannte den Schießsport aus eigener Erfahrung. Er trat mit dem Luftgewehr in der Landesliga an und war auch im Kleinkaliberschießen aktiv. Zudem gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des SSC Phoenix Erkenschwick. Zum 1. Januar 2006 wurde er als Geschäftsführer von Jörg Jagener abgelöst, der bereits seit März 1995 für die Buchhaltung des Verbandes gearbeitet hatte.

Die Geschäftsstelle musste im Laufe der Jahre immer mehr Aufgaben übernehmen. Das Wettbewerbs- und Ausbildungsprogramm wurde umfangreicher, gesetzliche Bestimmungen mussten berücksichtigt und die Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut werden. Dadurch nahm auch der Personalbedarf zu.

Die zunehmende Bedeutung elektronischer Datenverarbeitung zeigte sich schon früh. Frank Burkhardt war neun Jahre in der Geschäftsstelle tätig und unter anderem für Buchführung und Datenverarbeitung zuständig. Anfang 1992 übernahm der Industriekaufmann Frank Schnadtke diesen Aufgabenbereich. Im April 1995 folgte Jörg Jagener.

Ende 1996 arbeiteten acht Personen hauptberuflich in der Geschäftsstelle des Westfälischen Schützenbundes. Mit der Zeit kamen neue Aufgaben hinzu. Dazu gehörten etwa die sportliche Jugendarbeit, das Lehrgangswesen und später der Aufbau des Internetauftritts. Ende 2006 wurde Sebastian Löw eingestellt, der sich unter anderem um die Onlinepräsenz des Verbandes und die interne elektronische Datenverarbeitung kümmerte. Als ehemaliger Luftgewehrschütze der Landesmeisterklasse und früherer Jugendtrainer brachte er zugleich praktische Erfahrungen aus dem Sport mit.

Vom Mitteilungsblatt zur digitalen Öffentlichkeit

Auch die Verbandskommunikation veränderte sich. Die traditionelle „Schützenwarte“ blieb lange Zeit eine wichtige Informations- und Dokumentationsquelle. In ihr wurden Wettkampfergebnisse, Verbandsnachrichten und Berichte über das Vereinsleben veröffentlicht. Zeitweise erschien das Mitteilungsorgan gemeinsam mit anderen Verbänden und trug den Namen „RSB-Journal“.

1989 wurde die „Schützenwarte“ wieder zum alleinigen offiziellen Organ des Westfälischen Schützenbundes. Die Zeitschrift dokumentierte das sportliche und organisatorische Leben des Verbandes in großer Breite. Ihre vollständigen Ergebnisübersichten machten sie nicht nur für aktive Schützen wertvoll, sondern auch zu einer bedeutenden Quelle der Verbandsgeschichte.

Mit dem Ausbau des Internets kam eine weitere Form der Öffentlichkeitsarbeit hinzu. Informationen konnten nun schneller bereitgestellt, Ergebnisse zeitnah veröffentlicht und Mitglieder unmittelbar erreicht werden. Die Einstellung eines speziell für die Internetpräsenz verantwortlichen Mitarbeiters Ende 2006 zeigte, dass die digitale Kommunikation inzwischen zu einer dauerhaften Verbandsaufgabe geworden war.

Umweltschutz als neue Verantwortung

Mit dem Wachstum und der Modernisierung des Schießsports stiegen auch die Anforderungen an den Betrieb der Anlagen. In der Satzung des Westfälischen Schützenbundes wurde der Umweltschutz erstmals 1997 beziehungsweise 1998 ausdrücklich verankert. Seit dieser Zeit gab es auch das Amt eines Umweltschutzbeauftragten.

Am 11. Oktober 2002 übernahm Arnold Kottenstedde aus Ennigerloh diese Funktion. Er berichtete regelmäßig in den Haupt- und Sportausschusssitzungen sowie bei den Schützentagen. Im März 2008 wurde er zusätzlich Umweltschutzbeauftragter des Deutschen Schützenbundes. Zu den wichtigsten Themen gehörten Belastungen von Luft, Boden und Wasser. Hinzu kamen später Energieeinsparung, alternative Energien, Klimaschutz und energieeffizientes Bauen. Die Betreiber von Schießanlagen mussten eine Vielzahl gesetzlicher Bestimmungen, technischer Vorgaben und berufsgenossenschaftlicher Vorschriften beachten. Ein zentrales Problem war der Schallschutz. Für Anlagen mussten Gutachten erstellt werden, in denen die zu erwartende Lautstärke und die zulässigen Grenzwerte festgelegt wurden. Lage, Bauweise und Nutzungszeiten spielten dabei eine wichtige Rolle. Neben baulichen Maßnahmen gewann auch der persönliche Gehörschutz an Bedeutung.

Beim Wurfscheibenschießen kamen zusätzliche Belastungen hinzu. Munitionsreste und Bestandteile der Wurfscheiben konnten in Boden und Grundwasser gelangen. Besonders Blei, aber auch andere Metalle und Rückstände aus den Scheiben, mussten gesammelt und ordnungsgemäß entsorgt werden. Auch die Luftqualität auf geschlossenen Schießständen rückte in den Mittelpunkt. Abgesehen vom Bogen- und Armbrustschießen entstand bei praktisch allen Schießsportdisziplinen Feinstaub, der Blei und andere Stoffe enthalten konnte. Um die Atemluft zu schützen, waren aufwendige Be- und Entlüftungsanlagen notwendig.

Die strengeren Vorschriften hatten weitreichende Folgen. In Herdecke und Bottrop wurden komplette Schießanlagen geschlossen. An anderen Standorten kam es zu Teilschließungen. In Olpe musste beispielsweise ein Kleinkaliberstand aus lüftungstechnischen Gründen den Betrieb einstellen. Wo sich technische oder bauliche Mängel beheben ließen, konnten Anlagen später wieder eröffnet werden.

Seit 2008 erweiterten mehrere Munitionshersteller ihr Angebot an bleifreier oder bleireduzierter Munition. Auch bleifreie Luftgewehrgeschosse wurden verfügbar. Bei den Wurfscheiben setzte sich die Entwicklung hin zu schadstoffarmen Produkten fort. Moderne Scheiben bestanden vollständig aus Ton und erhielten wasserlösliche, umweltfreundliche Farben. Damit zeichnete sich ein Weg ab, den Schießsport technisch weiterzuentwickeln und zugleich Umweltbelastungen zu verringern.

Das Dortmunder Landesleistungszentrum

Das Landesleistungszentrum des Westfälischen Schützenbundes entstand auf dem Gelände eines früheren Blumengroßmarktes in Dortmund. Die Planungen hatten bereits 1976 begonnen. Das Ziel war ehrgeizig: Erstmals sollte es in Westfalen möglich werden, bedeutende Veranstaltungen des Deutschen Schützenbundes, Deutsche Meisterschaften, Länderkämpfe und internationale Wettbewerbe an einem zentralen Ort auszurichten.

Zugleich sollte die Anlage die Landesmeisterschaften organisatorisch vereinfachen. Noch 1978 mussten diese an 25 verschiedenen Terminen und Austragungsorten durchgeführt werden. Durch das neue Zentrum konnten mehr Teilnehmer zugelassen und die Wettkämpfe auf wenige Tage konzentriert werden. Am 10. Dezember 1982 wurde das Landesleistungszentrum gemeinsam mit dem Bundesstützpunkt für den Schießsport eingeweiht. Von der Planung bis zur Fertigstellung waren rund sechs Jahre vergangen. 

Mit Ausnahme des Wurftaubenschießens konnten im Dortmunder Zentrum sämtliche olympischen Schießsportdisziplinen ausgetragen werden. Zur Ausstattung gehörten 30 Kleinkaliberanlagen über 50 Meter, zwei 50-Meter-Anlagen für die Laufende Scheibe und vier Pistolen-Drehanlagen über 25 Meter mit insgesamt 20 Scheiben. Hinzu kamen bis zu 104 Luftgewehrstände über zehn Meter, 20 Zimmerstutzenstände über 15 Meter, zwei weitere Anlagen für die Laufende Scheibe über zehn Meter und bis zu 33 Scheiben für das Bogenschießen in der Halle.

Dortmund wird zur internationalen Bühne

Schon während der Bauphase hatten die Förderer des Landesleistungszentrums verlangt, große internationale Wettbewerbe nach Nordrhein-Westfalen zu holen. Der Westfälische Schützenbund bewarb sich deshalb um die Europameisterschaften für Luftdruckwaffen 1983. Nach weiteren Großveranstaltungen – darunter Europameisterschaften, Deutsche Hallenmeisterschaften im Bogenschießen und überregionale Wettkämpfe – entstand die Idee eines eigenen internationalen Turniers. 1985 wurde erstmals der Internationale Saisonauftakt für Sportschützen, der ISAS, im Dortmunder Landesleistungszentrum ausgerichtet. Die Veranstaltung erwies sich als so erfolgreich, dass sie fortan jährlich stattfand. 

Die vollständig überdachte Anlage bot den Teilnehmern ideale Bedingungen. Wetter und Tageslicht spielten keine Rolle, was gerade zu Beginn der internationalen Saison von großem Vorteil war. Zunächst kamen vor allem Sportler aus west-, nord- und südeuropäischen Ländern. Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Zerfall des Ostblocks nahmen zunehmend auch Schützinnen und Schützen aus osteuropäischen Staaten teil.

Vom ersten Wettbewerb zum Großereignis

Am ersten ISAS über die Osterfeiertage 1985 beteiligten sich zwölf Nationalmannschaften und elf Landesverbandsmannschaften. Insgesamt wurden 558 Starts gezählt. Die Teilnehmer kamen unter anderem aus Frankreich, Polen, Norwegen, der Schweiz, Großbritannien, Belgien, den Niederlanden, Österreich, Luxemburg und Oman. Ausgetragen wurden acht Wettbewerbe in den Schützen-, Damen- und Juniorenklassen. Die westfälischen Damenmannschaften erzielten dabei beachtliche Erfolge. Sie gewannen sowohl das Kleinkaliber-Liegendschießen als auch den Luftgewehrwettbewerb.

Ab 1987 fand der ISAS am letzten Märzwochenende statt. Der Terminwechsel war notwendig geworden, weil an Karfreitagen in Nordrhein-Westfalen keine Wettkämpfe veranstaltet, werden durften. Gleichzeitig wurde ein Trainingstag möglich, wie er bei internationalen Wettbewerben üblich war. Beim dritten ISAS 1987 gingen rund 300 Aktive aus zehn Nationen an den Start. Selbst eine japanische Delegation reiste nach Dortmund. Mehr als 2.000 Zuschauer verfolgten die Wettkämpfe, davon etwa die Hälfte allein die Luftdruckentscheidungen am Sonntag.

Die Zahl der Anmeldungen stieg schnell. 1988 war die Anlage mit rund 600 gemeldeten Starts vollständig ausgelastet. 1989 kamen mehr als 3.000 Besucher, darunter über 1.500 am letzten Wettkampftag. Um den Andrang zu bewältigen, wurde der ISAS auf sechs Tage erweitert. 1990 nahmen erstmals Sportlerinnen und Sportler aus der DDR, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei teil. Rund 750 Starts mussten organisiert werden. Der Golfkrieg beeinträchtigte 1991 dagegen die Veranstaltung, weil mehrere Mannschaften ihre Sportwaffen nicht problemlos per Flugzeug transportieren konnten.

Ein Verband zwischen Leistung und Verantwortung

Die Entwicklung seit 1982 zeigt einen Verband, der weit über seine traditionelle Vereinsarbeit hinausgewachsen war. Das Landesleistungszentrum machte Dortmund zu einem bedeutenden Standort des deutschen und internationalen Schießsports. Der ISAS brachte Aktive aus zahlreichen Ländern zusammen und bot ihnen kurz vor Saisonbeginn oder Olympischen Spielen hochwertige Wettkampf- und Trainingsmöglichkeiten. Gleichzeitig entstanden neue Aufgaben. Jugendarbeit musste organisiert, eine professionelle Geschäftsstelle aufgebaut und die Öffentlichkeitsarbeit in Zeitschrift und Internet weiterentwickelt werden. Umwelt-, Sicherheits- und Bauvorschriften verlangten den Vereinen zunehmend Fachkenntnisse und hohe Investitionen ab.

Gerade in diesem Spannungsfeld zeigte sich die neue Ära des Westfälischen Schützenbundes: sportlich ambitioniert, international ausgerichtet und technisch modern – zugleich aber stärker denn je gefordert, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft des Schießsports unter veränderten Bedingungen zu sichern.



Quelle: Karl Eckart - 150 Jahre Westfälischer Schützenbund (1861-2011)