Wieder einmal hatten die Südvereine mit dem Gewehr keine Chance gegen den starken Norden. Elsen marschierte bis zum Titel und wurde seiner Favoritenrolle gerecht.
Das Luftpistolenteam des ESV Weil am Rhein zum zweiten Mal nach 2007, und die Luftgewehrmannschaft von ST Hubertus Elsen zum fünften Mal und damit zum Rekordhalter: So endete das spektakuläre Bundesligafinale Sportschießen in der Göbel Hotels Arena in Rotenburg an der Fulda. In zwei packenden Matches setzten sich die neuen Champions mit 4:1 gegen den SV Kelheim-Gmünd bzw. 3:0 gegen die SB Freiheit durch. Bronze ging an den SV 1935 Kriftel und an SV Wieckenberg.
SSV Elsen, die einzige westfälische Mannschaft im Bundesligafinale 2025. Der Nordmeister wurde zuvor nur einmal geschlagen und das von der SB Freiheit. Als Erster in der Tabelle trifft die Mannschaft im Viertelfinale auf den Vierten der Südliga: der SSV Kronau. An den Start gehen für Elsen István Péni (396 Ringe), Lea Ruppel (398 Ringe), Denise Palberg (398 Ringe), Linnea Schnerr (395 Ringe) und Jessie Kaps (395 Ringe). Damit steht es nach 40 Schuss 2:1 für Elsen, Denise und Istvan müssen ins Stechen. Lana Wurster gewinnt das erste Stechen mit 10:9 gegen Denise und gleicht damit aus. Nun hängt der Traum vom Halbfinale an István. Mit drei starken Zehnern kann er sich gegen eine genauso starke Larissa Wegner noch nicht durchsetzen. Im vierten Stechschuss fällt der erste gelbe Punkt, eine 9,9 auf der Elsener Seite. Doch diese reicht aus, da Wegner mit einer 9,7 nachzieht und der SSV Kronau damit ausscheidet.
Diese Begegnung war bereits die vierte des Tages, somit stand der Gegner für das Halbfinale (Sieger der dritten Begegnung) bereits fest: Die SSG Kevelaer. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits alle Mannschaften aus der Südliga ausgestochen. Darunter auch sehr überraschend der ungeschlagene Südmeister „Pfeil“ Vöhringen mit 2:3 gegen den amtierenden Meister Wieckenberg. Diese trafen im Halbfinale auf den Sieger des zweiten Viertelfinals, die SB Freiheit, doch müssen sich leider mit einem 2:3 geschlagen geben und treten damit im Bronzefinale an. Ihr Gegner muss noch im zweiten Halbfinale gefunden werden. SSG Kevelaer oder SSV Elsen? Die Aufstellung auf der Paderborner Seite bleibt die gleiche. Den Ergebnissen zu Folge eine gute Entscheidung, die 400 fällt gleich 2x, geschossen von István Péni und Denise Palberg.
„Ich hätte nicht gedacht das mal im Finale zu schaffen aber die Stimmung in der Halle war sau gut und dann hat´s einfach geklappt!“, so Palberg zu ihrem perfekten Match. Auch Lea Ruppel und Jessie Kaps (beide 397 Ringe) können Einzelpunkte für Ihre Mannschaft gewinnen. Den Ehrenpunkt für die „Tigers“ aus dem Rheinland macht Alexander Thomas mit 398 Ringen gegen Linnea Schnerr (395 Ringe). Für das Team aus Westfalen tut dies nichts zur Sache, den Einzug in das Goldfinale kann ihnen keiner mehr nehmen!
Als Verlierer im Halbfinale geht es für die SSG Kevelaer im Bronzefinale gegen den SV Wieckenberg weiter, doch auch hier müssen sie sich geschlagen geben. Mit einem 3:1 sichert sich die Mannschaft aus Hessen die Bronzemedaille und einen Platz auf dem Treppchen. Welche Mannschaften mit auf dem Treppchen sein werden ist bereits klar, doch wer ganz oben steht, wird im letzten Match des Tages ausgeschossen. Heinz Reinkemeier, der Trainer von Elsen, vertraut voll und ganz auf die Sportler. Auch im Goldfinale dürfen die bereits bekannten Gesichter performen.
Goldfinale Luftgewehr: Elsen macht sich zum Rekordgewinner
Fünfter Titel für Elsen und damit alleiniger Rekordgewinner im Luftgewehrbereich oder zweiter Titel für Freiheit nach 2018? Das waren die Fragen vor dem großen Finale der beiden Vereine, die sich bereits unzählige Male gegenüberstanden. So auch in dieser Saison, als beim siebten Vorrundwettkampf Freiheit mit 3:2 siegte, man möchte sagen, natürlich im Stechen. Die Partie versprach Hochspannung und Weltklasse, allein der Blick auf Position eins mit dem Ungarn Istvan Peni (Elsen) und der Norwegerin Jeanette Hegg-Duestad (Freiheit), Welt- und Europameister sowie mehrfache Olympia-Teilnehmer, verdeutlicht dies.
Bei ohrenbetäubendem Lärm der Fans erwischte Elsen den besseren Start und lag nach der ersten Zehnerserie auf den Positionen zwei und fünf bereits mit zwei Ringen vorne. Lea Ruppel und Jessie Kaps schossen perfekte 100 Ringe, während ihre Gegnerinnen Hannah Steffen und Michaela Müller-Thöle jeweils zwei Neuner fabrizierten. Insgesamt hatte Elsen bei 50 Schüssen lediglich zwei Neuner auf die Scheibe gebracht, ein starker Wert. Das Frauen-Quintett aus Niedersachsen musste kämpfen, alle Schützinnen hatten nach 15 Schuss mindestens eine Neun geschossen. Selbst „Ms Perfect“ Duestad-Hegg war dieses „Missgeschick“ passiert, während Ruppel, Schnerr und Kaps bis dahin ohne Punktverlust blieben. Melanie Rosenthal war die erste Schützin, die ihren Wettkampf nach knapp 28 Minuten beendete: Starke 398 Ringe brachte sie auf die Scheibe und setzte somit Linnea Schnerr, die nach 26 Schüssen noch fehlerfrei war unter Druck. Insgesamt blieb es jedoch „eng“, drei Positionen waren mit einem Ring auseinander. Lediglich auf Position zwei sprach alles für einen sicheren Elsener Punkt durch Lea Ruppel im Duell gegen Hannah Steffen (298:294). Und Schnerr schoss wie eine „Maschine“ eine Zehn nach der anderen und steuerte auf makellose 400 hin. Als sich Jolyn Beer im 38. Schuss eine Acht einfing, deutete auch hier alles pro Elsen, und Denise Palberg nahm dieses Geschenk dankend an. Der Klub aus Paderborn war kurz vor Schluss auf Siegkurs. Dann ein Aufschrei im Publikum, als Schnerr an Position vier – nach mehrmaligem Absetzen – wirklich die 400 perfekt machte. Das erste Mal in dieser Saison, ein perfektes Timing. Und das lieferte auch Lea Ruppel, die mit ihren 398 Ringen den dritten Punkt beisteuerte und somit den Sieg und den fünften Titel in der Vereinsgeschichte klarmachte. Die beiden Unentschieden auf den Positionen eins und fünf waren somit hinfällig. Linnea Schnerr, die zum zweiten Mal überhaupt in ihrer Karriere perfekte 400 Ringe schoss, sagte danach: „Es ist mein drittes Bundesligafinale und meine dritte Saison mit Elsen. Der Titel bedeutet mir unfassbar viel. Ich wollte heute auf jeden Fall alles geben, zeigen, was ich kann und einen Punkt holen. Dementsprechend habe ich versucht, mir keine Fehler zu erlauben, ich musste gut dagegenhalten, weil Melanie auch sehr gut geschossen hat.“ Erfolgstrainer Heinz Reinkemeier, der bereits mit Buer-Bülse und Elsen zahlreiche Titel geholt hat, meinte: „Ich weiß gar nicht, wie viele Titel ich gewonnen habe. Jeder Titel ist ein Gruppenereignis, -erfahrung und -freude. Die sechs, sieben Schützen haben sich das verdient. Hervorheben muss ich Lea Ruppel, die ein absoluter Glücksgriff ist. Sie ist neu zu uns gestoßen, und ich habe es überhaupt noch nicht erlebt, dass eine Schützin alle 14 Matches in der Saison gewonnen hat.“
ST Hubertus Elsen vs. SB Freiheit 3:0 (1989:1981)
Istvan Peni vs. Jeanette Hegg-Duestad 398:398
Lea Ruppel vs. Hannah Steffen 398:394
Denise Palberg vs. Jolyn Beer 395:393
Linnea Schnerr vs. Melanie Rosenthal 400:398
Jessie Kaps vs. Michaela Müller-Thöle 398:398
Goldfinale Luftpistole: Endlich Gold für Weil am Rhein
Die beiden Spitzenvereine aus dem Süden hatten sich in den vergangenen Jahren des Öfteren duelliert. Natürlich in der Vorrunde (in dieser Saison 5:0 für Kelheim mit superstarken 1921 Ringen), aber auch bei diversen Bundesligafinals. Zuletzt 2023 im Goldfinale, als Kelheim-Gmünd ebenfalls mit 5:0 die Oberhand behielt.
Beide Teams vertrauten auf ihre erfolgreiche Halbfinalbesetzung, es lag Spannung und Nervosität in der Luft, die sich auch in den ersten Schüssen bemerkbar machten: Achter-Wertungen bzw. knappe Neuner gab es bei nahezu allen zehn Schützen zu sehen. Dennoch kam Weil besser in die Partie und lag nach der ersten Zehnerserie in vier von fünf Duellen, wenn auch knapp, vorne. Lediglich Monika Karsch auf Position fünf hielt bis dato ihre Farben vorne (95:92). Vor allem der 20-jährige Juniorenmeister des Vorjahres, Enrico Schaich, schien sich von der Atmosphäre bei seinem ersten Bundesligafinale überhaupt nicht aus der Ruhe zu bringen, im Gegenteil: Schaich startete mit 96 und 98 Ringen und lag gegen Simon Weiß mit vier Ringen in Führung. Auch Teamkollege Patrick Meyer, bereits 2020 Titelträger mit Braunschweig, zeigte sich in hervorragender Verfassung und führte nach 20 Schüssen mit vier Ringen gegen Andreas Köppl (193:189). Im Duell der DSB-Kaderschützen schlug das Pendel deutlich zugunsten von Michael Schwald aus. Nach drei Zehnerserien betrug sein Vorsprung auf Philipp Grimm bereits neun Ringe (289:280). Den ersten fixen Punkt steuerte Schaich bei, der als Erster seinen Wettkampf beendete und hervorragende 382 Ringe erzielte. Und da auch Meyer immer noch mit drei Ringen vor den letzten zehn Schüssen gegen Köppl führte, sprach viel für Weil am Rhein. Kelheim steuerte dagegen auf Position eins und fünf auf Punkte zu, Jason Solari führte mit einem Ring gegenüber Viktor Bankin, Monika Karsch mit zwei Punkten vor Sylvain Garconnot. Nach dem souveränen 2:0 durch Schwald, fiel die Entscheidung nahezu zeitgleich auf den Positionen eins und drei: Sowohl Bankin als auch Meyer gewannen mit beeindruckenden Schlussserien (99 bzw. 97) ihre Begegnungen und ließen die Weiler auf 4:0 davonziehen (Kopp: „Bei den letzten zwei Schüssen auf den Positionen eins bis drei hätte man bei mir nicht den Puls messen dürfen, der ist extrem hoch gegangen.“). Jubel auf der Tribüne, Umarmungen und Tränen bei Schützen, Betreuern und Trainerin Helga Koop folgten. Es war nach zahlreichen vergeblichen Anläufen der zweite nationale Titel für Weil am Rhein nach 18 Jahren und die fünfte Medaille insgesamt (2x Gold, 2x Silber, 1x Bronze). Michael Schwald war mehr als zufrieden: „Es lief bei mir ausgezeichnet, meine schlechtesten Neuner waren 9,8 und 9,9. Das ist immer ein Signal, weiter Vollgas zu geben und weiterzumachen. Der Titel bereitet mir sehr viel Freude, es hat schon ein bisschen an einem genagt, dass wir die Jahre zuvor so dicht dran waren, aber nie ganz oben standen.“ Auch Trainerin Helga Kopp war begeistert von ihren Fünf: „Ich kriege das Grinsen nicht aus dem Gesicht, ich bin wahnsinnig stolz auf das Team. Wir waren in den letzten drei Jahren immer im Finale und haben immer eine Medaille mitgebracht. Wir haben ein super Team, z.B. mit dem 20jährigen Enrico, einer coolen Socke, und dem 30 Jahre älteren Sylvain.“ Und dann gab die Motivationskünstlerin Einblicke in ihre Worte an das Team vor dem Wettkampf: „Ich hatte ihnen gesagt, sie sollen Spaß haben, wir haben eine Medaille sicher. Sie sollen zeigen, was sie können.“
SV Kelheim-Gmünd vs. ESV Weil am Rhein 1:4 (1893:1904)
Jason Solari vs. Viktor Bankin 383:385
Philipp Grimm vs. Michael Schwald 378:387
Andreas Köppl vs. Patrick Meyer 378:383
Simon Weiß vs. Enrico Schaich 377:382
Monika Karsch vs. Sylvain Garconnot 377:367
ERGEBNISSE
TEXT & FOTOS DSB, SOPHIA BENTERBUSCH