Wenn das Diopter die Zielscheibe fixiert und die Konzentration im Raum förmlich greifbar wird, spielen körperliche Einschränkungen keine Rolle mehr.
Am Samstag, den 7. März 2026, bewiesen die Sportler:innen auf dem Schießstand der St. Sebastianus Schützen in Düsseldorf-Bilk eindrucksvoll, dass Inklusion im Schießsport gelebte Realität ist.
Eine starke Allianz für den Parasport
Was 2022 als Trainingsidee begann, hat sich längst zu einer festen Größe im Sportkalender Nordrhein-Westfalens entwickelt. Hinter dem Erfolg steht ein starkes Trio: der Westfälische Schützenbund (WSB), der Rheinische Schützenbund (RSB) und der Behinderten- und Rehabilitationssportverband NRW (BRSNW).
Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, den Parasport zu professionalisieren und den Zugang zum Schießstand so niederschwellig wie möglich zu gestalten. Die Resonanz am vergangenen Samstag gab den Organisatoren recht: Sämtliche Standplätze waren besetzt, Teilnehmende aus ganz NRW nahmen teils weite Anfahrten auf sich, um unter professionellen Bedingungen in Düsseldorf zu trainieren.
Technik, Taktik und Fingerspitzengefühl
Unter der Anleitung von Trainer:innen, die speziell auf die Anforderungen im Parasport geschult sind, arbeiteten Neulinge und erfahrene Schütz:innen gleichermaßen an ihrer Performance.
Die Ausbildungsschwerpunkte umfassten:
- Individuelle Anschlagstechniken: Anpassung der Haltung an die jeweilige körperliche Konstitution.
- Mentaltraining: Atem- und Konzentrationsübungen, um im entscheidenden Moment die nötige Ruhe zu finden.
- Regelwerkskunde: Ein Einblick in die Sportordnung, die den Einsatz von Hilfsmitteln wie Federböcken oder Schießstühlen regelt.
Highlight: Wenn das Gehör zum Auge wird
Besonders bemerkenswert ist die Disziplin des Blindenschießens. Hier zeigt sich, wie moderne Technik Barrieren einreißt: Statt einer optischen Visierung nutzen die Sportler:innen akustische Zielhilfen. Über Kopfhörer signalisiert ein Ton die Position zum Zentrum der Scheibe. Je höher und intensiver das Signal, desto näher befindet sich der Schütze an der „Zehn“.
Wie komplex diese Disziplin tatsächlich ist, durfte der Autor dieses Artikels im Selbstversuch erfahren. Ohne das visuelle Feedback ist man vollkommen auf das Gehör und eine sehr gute Körperbeherrschung angewiesen. Es ist eine faszinierende Demonstration von purem Fokus und deutlich schwieriger als gedacht.
Barrierefreiheit als Standard
Dank der vollständigen Barrierefreiheit konnten Rollstuhlfahrer:innen und Menschen mit Gehbehinderungen alle Bereiche, vom sportlichen Geschehen bis zu den Gemeinschaftsräumen, uneingeschränkt nutzen.
Der Austausch endete jedoch nicht am Schießstand: Beim gemeinsamen Mittagessen wurde die Zeit intensiv genutzt, um in geselliger Runde über Verbesserungsmöglichkeiten und zukünftige Projekte im Parasport zu fachsimpeln. „Es geht hier um mehr als nur Sport. Es geht um die Gemeinschaft und das Aufbrechen von Barrieren im Kopf“, resümierte eine Stimme aus dem Trainerkreis den Geist des Tages.
Ausblick und Kontakt
Die Planungen für die nächsten Trainingstage laufen bereits. Interessierte Paraschütz:innen oder Vereine, die sich im Bereich Inklusion engagieren möchten, können sich für Beratung und Terminkoordination direkt an Simone Fox Landesreferentin Behindertensport (
TEXT & FOTO CHRISTIAN MATTHES
