Anika Höflich gibt uns Einblicke in ihre Sicht auf das Schützenwesen.
Lisa Wiedemann: Ich sitze hier mit Anika Höflich, der zweimaligen Bundesjugendkönigin. Was hat dich motiviert erneut anzutreten?
Anika Höflich: Das war, glaube ich, 2023. Da war ich noch in meinem Verein Jugendkönigin, also Scheibenkönigin, und dadurch wollte ich dann auch beim Landesjugendkönigsschießen teilnehmen. Eigentlich nur auf die Insignien – und beim letzten Schuss, den ich machen wollte, ist dann leider der Vogel gefallen. Dadurch war ich wieder Landesjugendkönigin und daraufhin bin ich dann zum Bundesjugendkönigsschießen gefahren. Da war es eigentlich gar nicht der Plan, nochmal Bundesjugendkönigin zu werden, weil ich es ja schon einmal war. Aber schlecht schießen wollte ich auch nicht und dann ist halt der richtige Schuss gefallen und ich war auf einmal wieder Bundesjugendkönigin.
Lisa Wiedemann: Gibt es ein besonderes Erlebnis in deiner bisherigen Zeit als Bundesjugendkönigin, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Anika Höflich: Letztens hatten wir den Bezirksschützenball, bei dem mein Vater verabschiedet wurde. Dann natürlich die westfälischen Schützentage, die immer sehr schön waren – mit den Umzügen und den Begrüßungen beim Bürgermeister. Oder auch ein Schützenfest in Gladbeck, wo ich bei der Bürgermeisterin war und ein kleines Geschenk bekommen habe. Sonst waren aber auch alle anderen Schützenfeste echt schön.
Lisa Wiedemann: Ein weiteres Anliegen wäre es für uns zu erfahren, wie du junge Menschen dazu bringst, dem Schützenwesen beizutreten oder sich dafür zu begeistern.
Anika Höflich: Erstens versuche ich immer, junge Leute davon zu überzeugen, dass Schützen beziehungsweise das Schützenwesen nicht nur aus Bier und Feiern besteht, sondern dass es auch eine sportliche Seite gibt. Ich bin jetzt seit einem Jahr im Jufo und war damit auch Bezirksjugendsprecherin. Dort versuche ich, den Sport näherzubringen und zu zeigen, dass er auch körperlich ist und viel mit Konzentration zu tun hat. Was mir sehr geholfen hat, ist, dass man bei dem Sport sehr runterkommt, den Stress aus dem Alltag vergisst und abgelenkt wird.
Lisa Wiedemann: Wenn du etwas im Schützenwesen ändern könntest, was wäre das?
Anika Höflich: Einmal die Position der Frauen. Auf vielen Schützenfesten war es so, dass Frauen nicht mitlaufen durften, nicht mit auf den Vogel schießen durften oder keine Uniform tragen konnten. Außerdem die Mediengestaltung im Schützenwesen. Dadurch, dass in vielen Vorständen der Altersdurchschnitt etwas höher ist, haben viele keine Ahnung von digitaler Nutzung oder machen sich gar keine Gedanken darüber. Es wäre schön, wenn es da etwas mehr gäbe. Und natürlich die Jugendarbeit – dass dort mehr darüber aufgeklärt wird, wie es auch beim Schießen mit der Tradition ist. Dass man nicht nur entweder schießt oder bei der Tradition dabei ist, sondern dass man beides zusammen machen kann.
Lisa Wiedemann: Wie schaffst du es, dein Amt mit deinem Alltag zu vereinbaren?
Anika Höflich: Das Hauptmerkmal ist die Hilfe meiner Eltern. Sie fahren mich überall hin, begleiten mich zu den Trainings und Wettkämpfen und unterstützen mich auch in der Schule, wenn ich mal meine Hausaufgaben nicht geschafft habe und sie mir nachts noch helfen. Auch meine Schwester hat mir viel in der Schule geholfen und mit mir für Klausuren gelernt, wenn ich das am Wochenende mal nicht geschafft habe. Anders würde ich es auch nicht hinkriegen. Sonst wäre es viel zu stressig.
Lisa Wiedemann: Was ist deine schönste Erinnerung an die Schützenjugend?
Anika Höflich: Die verschiedenen Wettkämpfe, als ich noch im Kader war, waren immer sehr schön, weil man dort viele Freunde getroffen hat. Dann auch die Ligawettkämpfe zum Beispiel. Als Bundesjugendkönigin wurde ich auch zu vielen Jugendfesten eingeladen, wo man viele kleine Kinder getroffen hat, die sich für die Tradition interessiert haben. Oder auch damals, als ich angefangen habe zu schießen: das Stützpunkttraining mit Philipp Schulz war auch immer sehr schön. Es gibt schon viele Sachen, die mit der Jugend immer schön waren und schön sind.
Lisa Wiedemann: Welchen Rat würdest du anderen Jugendlichen geben, die selbst einmal dieses Amt innehaben wollen?
Anika Höflich: Auf jeden Fall nicht nervös sein. Ich weiß noch, bei meinem ersten Mal war ich sehr nervös, weil ich wusste, ich muss einen guten Schuss abgeben, damit ich Bundesjugendkönigin werde. Man hat nur eine einmalige Chance im Leben. Aber erstmal dahin zu kommen, Landesjugendkönigin oder Landesjugendkönig zu werden und dann zum Bund zu fahren, ist allein schon etwas sehr Besonderes, das nicht jeder schafft. Man sollte das Wochenende beim Bund genießen und sich keinen Stress machen lassen – nicht vom WSB und nicht von den Eltern – und es wirklich einfach genießen. Vielleicht ein bisschen trainieren, aber am Ende ist es auch einfach nur Glück.
Lisa Wiedemann: Dankeschön.
Anika Höflich: Gerne!
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