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Kevelaer und Kelheim-Gmünd sind die neuen Titelträger

Das Luftpistolenteam des SV Kelheim-Gmünd zum sechsten Mal und die Luftgewehrmannschaft der SSG Kevelaer zum fünften Mal.

So endete das spektakuläre Bundesligafinale Sportschießen in der Göbel Hotels Arena in Rotenburg an der Fulda. In zwei packenden Matches setzten sich die neuen Champions mit 3:2 gegen den SV 1935 Kriftel bzw. 3:0 den SSV Kronau durch. Bronze ging an den ESV Weil am Rhein und an den Bund München.

Die Ergebnisse der Medaillenmatches
Bronzematch Luftpistole: Sp.Sch.St.Seb.Pier2000 vs. ESV Weil am Rhein 2:3 (1873:1888)
Bronzematch Luftgewehr: SV Pfeil Vöhringen vs. Der Bund München 0:3 (1987:1993)
Goldmatch Luftpistole: SV Kelheim-Gmünd vs. SV 1935 Kriftel 3:2 (1879:1880)
Goldmatch Luftgewehr: SSV Kronau vs. SSG Kevelaer 0:3 (1976:1989)

An diesem Sonntag musste die K-Frage geklärt werden: Alle vier Goldfinalisten Kelheim-Gmünd, Kriftel, Kronau und Kevelaer beginnen mit diesem Buchstaben, alle vier strebten nach der Krone in Form des Meisterspiegels. Dabei waren die Voraussetzungen klar: Kelheim-Gmünd (5x), Kevelaer (4x) und Kriftel (2x) hatten allesamt das schwere Siegesstück bereits mehrfach in den Händen halten können, für Kronau war die Teilnahme am Goldfinale Premiere, ja, der Verein hatte bei seinen drei Finalteilnahmen zuvor noch nie eine Medaille gewinnen können.

Am Ende jubelten der SV Kelheim-Gmünd sowie die SSG Kevelaer und erhielten den Meisterspiegel aus den Händen von DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels. Damit setzen sich auch zwei Serien fort: Im Gewehrbereich gewann zum zehnten Mal in Serie ein Team aus dem Norden, im Pistolenwettbewerb ging zum fünften Mal in Folge der Spiegel in den Süden.

Goldfinale Luftgewehr: Kevelaer zum fünften Mal ganz oben
„Wir haben nichts zu verlieren und streben ein Stechen an“, meinte Kronaus Max Braun mit einem verschmitzten Lachen. Wohlwissend, dass die Konkurrenz vor der Nervenstärke des fünfmaligen Stech-Champions zitterte. Doch so weit wollte es Nordmeister Kevelaer natürlich gar nicht kommen lassen, denn der Favorit strebte seinen fünften Bundesligatitel an. Und dementsprechend forsch begannen beide Teams, die erste Neun fiel erst im 47. Schuss beider Teams: „Stechkönig“ Gavin Barnick verfehlte die Zehn hauchzart (9,9). Das schien etwas „ansteckend“ zu sein, denn auch Annabelle Lotter und Larissa Wegner verfehlten die Mitte kurz danach. Kevelaer hielt bis zum 26. eigenen Schuss die Makellosigkeit, dann erwischte es Franka Janßan auf Position fünf. Doch nach der ersten Serie waren die Rheinländer klar auf Goldkurs: 100 Ringe standen für Anna Janßen, die nach dem sechsten Schuss eine längere Pause eingelegt hatte („Ich musste meine Schuhe etwas weitermachen, weil ich sonst die Kontrolle im Stehen nicht gehabt hätte!“), Ayonika Paul, Finnja Rentmeister und Franziska Driessen auf der Leinwand. Kronau kam nicht an das Niveau des Viertel- und Halbfinals heran: Lotter, die bereits nach 20 Minuten ihre 40 Wettkampfschüsse abgegeben hatte, ging mit lediglich 393 Ringen vom Stand. Und auch Barnick, Nele Stark und Lana Wurster hatten nach der Hälfte ihres Wettkampfes schon zwei bis vier Neuner geschossen. Die Hochrechnung nach knapp 25 Minuten lautete zwar 5:0 für Kevelaer, das war aber auch ein wenig trügerisch, denn die Abstände auf drei Positionen (2, 4 und 5) betrugen auch nur einen Ring. Aber Janßen, Paul und Rentmeister schossen wie ein Uhrwerk – nach 90 Schüssen des Trios hieß es 900 Ringe. Eine Neun von Paul mit ihrem 31. Schuss bedeutete Unentschieden auf Position zwei, denn Larissa Wegner hatte die gleiche Ringzahl vorgelegt. Die 1:0-Führung brachte Franka Janßen, denn ihre 394 Ringe waren von Gegnerin Lana Wurster nicht einzuholen.  Kurz darauf brandete doppelter Jubel im Lager Kevelaers auf, denn Finaldebütantin Rentmeister sorgte mit ihrer persönlichen 400 Ringe-Premiere in der Liga für das 2:0, und Top-Schützin Anna Janßen machte es ihr nach und sorgte für das 3:0 und den Sieg.
Mit dem Triumph gelang der SSG Kevelaer der fünfte Bundesliga-Titel, damit zog der Verein mit dem bisherigen Rekordsieger ST Hubertus Elsen gleich. „Es war überwältigend, die Stimmung war megageil. Ich bin einfach nur glücklich, dass es geklappt hat“, brachte Rentmeister hervor. „Ich war vor dem Finale guter Dinge, wir waren relativ entspannt und hatten uns nicht den Druck gemacht, sondern wollten einfach nur Leistung zeigen“, sagte Trainer Simon Janßen. „Die vergangenen zwei Jahre waren nicht so erfolgreich, und wir wollten nochmals richtig angreifen. Wir sind ein junges, sehr ausgeglichenes Team, und die Fans sind natürlich Wahnsinn“, so der Erfolgstrainer, dessen Schwester Anna ergänzte: „Der Titel bewegt mich unfassbar! Alle, die hier in der Halle waren, wissen wie bedeutend das für mich und den Verein ist. Wir waren hier mit 70 Fans, das ist enorm für einen Verein, der ca. 150 Mitglieder hat. So ein Mannschaftserfolg ist noch einmal etwas ganz anderes und vor allem natürlich, weil es mein Heimatverein ist, bei dem ich groß geworden bin und dem ich so viel zu verdanken habe.“

SSV Kronau vs. SSG Kevelaer 0:3 (1976:1989)
Gavin Barnick vs. Anna Janßen 397:400
Larissa Wegner vs. Ayonika Paul 399:399
Annabelle Lotter vs. Finnja Rentmeister 393:400
Nele Stark vs. Franziska Driessen 396:396
Lana Wurster vs. Franka Janßen 391:394

Goldfinale Luftpistole: Kelheim gewinnt dramatisch mit dem letzten Schuss
Keine Frage, es war das „Traumfinale“: Südmeister Kelheim-Gmünd, der in der regulären Saison zwei Niederlagen einstecken musste, gegen Nordmeister Kriftel, der zum wiederholten Male ungeschlagen durch die Saison marschierte. Natürlich standen zahlreiche Top-Athleten an der Linie, bei Kelheim u.a. die drei Nationalkader Jason Solari/SUI, Philipp Grimm und Andras Köppl, bei Kriftel Christian Reitz und Ruslan Lunev/AZE. Und das Team von Trainer Detlef Glenz erwischte den besseren Start: Reitz setzte 98 Ringe und hatte damit ein erstes „Polster“ von vier Ringen auf Solari, auf Position vier startete Fabian Otto mit bärenstarken 98 Ringen und setzte Konkurrent Simon Weiß (93) damit mächtig unter Druck. Kelheim hielt vor allem mit Köppl auf Position drei dagegen, mit 97 Ringen schoss der 22-Jährige gegen Dominik Sänger (95) an. Die Positionen zwei und fünf waren nahezu ausgeglichen. Es entwickelte sich das erwartet umkämpfte Match, die Hochrechnungen wechselten ständig. Für Kriftel sah es auf den Positionen eins (Reitz 192) und vier (Otto 190) auch nach der Hälfte des Wettkampfes sehr gut aus mit Vorsprüngen von jeweils sechs Ringen. Eine Tendenz pro Kelheim gab es auf der fünften Position, auf der sich Christoph Schultheiß einen Drei-Ringe-Vorsprung gegenüber Maximilian Schenk erarbeitet hatte (188:185). Die Positionen zwei und drei lauteten nach 20 Schuss Unentschieden. Schnellfeuer-Olympiasieger Reitz war dann auch als erstes im Ziel und brachte seine Farben mit 384 souverän mit 1:0 in Führung, weil es bei Konkurrent Solari überhaupt nicht lief. Grimm und Schultheiß strebten mit Macht zu Punkten für ihr Team zu, Otto hatte auf Position alles unter Kontrolle. Und so deutete alles auf ein 3:2 hin und die Position drei zwischen Andreas Köppl und Dominik Sänger. Hier hatte Köppl nach drei Serien exakt einen Ring Vorsprung. Nach 38 Schüssen hieß es Gleichstand, die Dramatik war zu greifen. Als Sänger seinen 39. Schuss in die Acht setzte und Köppl in die Neun war der Kelheimer um einen Ring vorne und ließ sich von der Zehn von Sänger in dessen letzten Schuss auch nicht mehr aus der Ruhe bringen. Seine Zehn im letzten Schuss brachte die Entscheidung in einem packenden Finale, denn die anderen Duelle nahmen ihren erwarteten Verlauf. Damit jubelten die Bayern über ihren sechsten Sieg beim Bundesligafinale und näherten sich in der Siegerliste Rekordmeister SGi Waldenburg auf zwei Titel an. „Ich wusste, dass es richtig knapp ist, und der Puls ist richtig hochgegangen. Aber zum Glück habe ich die Nerven behalten. Es ist für mich der erste DM-Titel, nachdem ich im Vorjahr Silber gewonnen habe, der Titel bedeutet mir sehr viel“, so Köppl. Und Grimm, der bereits zum fünften Mal im Siegerteam steht, meinte: „Der Sieg bedeutet mir richtig viel. Wir sind seit zig Jahren immer in den Medaillenmatches, und das klare Ziel war auch eine Medaille, aber trotzdem muss man auch kleine Brötchen backen. Hier sind die acht besten Teams, es ist alles möglich. Wir feiern den Titel groß: Erst hier mit Pizza und zu Hause gibt es dann eine große Meisterfeier im großen Rahmen.“

SV Kelheim-Gmünd vs. SV 1935 Kriftel 3:2 (1879:1880)
Jason Solari vs. Christian Reitz 379:384
Philipp Grimm vs. Ruslan Lunev 381:376
Andreas Köppl vs. Dominik Sänger 375:374
Simon Weiß vs. Fabian Otto 373:378
Christoph Schultheiß vs. Maximilian Schenk 371:368

ST Hubertus Elsen scheitert vs. SSV Kronau 2:3 (1985:1983)
Wer Titelverteidiger ist und eine starke Saison im Norden geschossen hat, geht auch als Favorit in das Viertelfinale mit dem Süd-Dritten aus Kronau. Zumal Elsen in Top-Besetzung mit Istvan Peni, Lea Ruppel, Denise Palberg, Linnea Schnerr und Peter Hellenbrand antrat. Doch der Start verlief nicht nach Wunsch, denn das Quintett schoss in der Zehner-Auftaktserie mindestens eine Neun auf jeder Position. Dagegen agierten die Kronauer zu Beginn äußerst zielsicher, vor allem Larissa Wegner und Nele Stark starteten mit 100 Ringen. Da aber die Teamkameraden allesamt auch Federn, sprich Neuner, ließen, deutete alles auf einen knappen Ausgang hin. Und so kam es auch: Der Punkt an Position zwei (Wegner mit 400!) ging an Kronau, die an Position drei und fünf an Elsen. Demnach hieß es nach einem 399:399 zwischen Istvan Peni und Gavin-Raymond-Leigh Barnick an Position eins sowie einem 397:397 zwischen Linnea Schnerr und Nele Stark: Ein oder zwei Stechen mussten über den Einzug in das Halbfinale entscheiden. Stark gewann Stechen Nummer eins mit 10:9 im zweiten Stechschuss, damit musste die Entscheidung im zweiten Stechen fallen. Und beide internationalen Top-Athleten trieben es auf die Spitze: Die ersten drei Schuss gingen jeweils in die Zehn, sodass es auf den vierten Stechschuss auf Zehntelwertung ankam: Und den setzte Barnick in die 10,6, Peni „nur“ in die 10,4 – damit war der Titelverteidiger raus.

TEXT & FOTOS DSB

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