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Von Skepsis bis Einsicht– Die Strukturreform

Mike Vahlenkamp gibt Eindrücke in seine Sichtweise. 

Der WSB im Wandel – Die Strukturreform

Als ich auf der Hauptausschusssitzung am 27. April 25 zum ersten Mal von den Ergebnissen der Strukturkommission erfahren habe, war ich gerade 1,5 Jahre Kreisvorsitzender des Schützenkreises Ahaus. Ich durfte einen sehr gut geführten Schützenkreis übernehmen, in dem alle Vorstandsposten gut besetzt waren, Wettkämpfe für die Schützinnen und Schützen sehr zufriedenstellend durchgeführt wurden, das Untereinander unter den Vereinen hervorragend funktionierte und zu guter Letzt die Kassenlage auch sehr erfreulich war. Unser Bezirk Münsterland war zu diesem Zeitpunkt auch gut geführt und alles lief zu großer Zufriedenheit der Schützinnen und Schützen. Kurzum stellte ich mir die Frage: Warum brauchen wir eine Strukturreform, wenn es bei uns doch läuft?

Offen für neues lauschte ich jedoch trotzdem aufmerksam den Ausführungen von Wolfgang Tönjann als Sprecher und Leiter der Strukturkommission. Immerhin hatten sich die 12 Kommissionsmitglieder in über 20 Sitzungen in Persona und virtuell getroffen, um nach zwei Zwischenberichten nun ihren Abschlussbericht mit Empfehlungen an den Hauptausschuss zu formulieren.

Die Präsentation war sehr gut vorbereitet und strukturiert und stelle - wie bei Einberufung der Kommission gefordert - am Ende einen Lösungsvorschlag vor: Die Auflösung der Bezirke und die Fusion von Kreisen zu 16 Schützenregionen. Dadurch würden weniger Ehrenamtliche benötigt und die Kommunikationswege zwischen Basis und Präsidium könnten optimiert werden. Kriterien für die Zusammenlegung sollten primär Entfernungen und Mitgliederzahlen sein, jedoch sollte kein Mitglied bei den Veränderungen auf der Strecke bleiben.

Im Anschluss an die Präsentation gab es viele Diskussionen und Rückfragen. Teilweise wurde der Sinn der Strukturkommission in Frage gestellt, teilweise passte die Zusammenlegung bestimmter Kreise nicht. Auch die fehlende Lösung für Meisterschaften, Ligen und andere Wettkämpfe wurde bemängelt. Auch ich war im ersten Moment sehr skeptisch aufgrund der Größe der Schützenregion A „Münsterland“. Sie stach als mit Abstand flächenmäßig größte Region in dem Schaubild heraus. Ich kenne einige Schützen in meinem Kreis, die nicht weiter als zu einer Kreismeisterschaft fahren wollen. Und sein wir mal ehrlich, wenn jemand die Wahl hat, 30 Minuten zu einem Wettkampf zu fahren oder 1,5 Stunden, für war würden wir uns wohl entscheiden?

Mit dieser Skepsis ging ich nun aus der Hauptausschusssitzung. Eine weitere Sitzung acht Wochen später wurde vereinbart. Bis dahin sollten die Kreis- und Bezirksvorsitzenden in ihren Vorständen den Vorschlag samt Ideen zu neuen Meisterschafts-, Liga- und RWK-Pokalmodi besprechen. Im Bezirk Münsterland hatten wir jedoch schon Anfang Mai die Gelegenheit dies im kleineren Kreis zu diskutieren. Dr. Maik Hollmann und Wolfgang Tönjann hatten zum Kamingespräch eingeladen und hier war natürlich der Bericht der Strukturkommission das bestimmende Thema. Alle Kreisvertreter konnten ihre Bedenken äußern, jedoch auch die positiven Dinge mitnehmen und gemeinsam in die Zukunft blicken. Denn wir realisierten, dass wir hier unsere Zukunft selbst mitbestimmen können. Gefordert ist eine Meisterschaft als Qualifikation zur Landesmeisterschaft. Nach dem Vorschlag der Kommission kann bei Bedarf eine zweite „Vor“-Meisterschaft durchgeführt werden.

Um die Herausforderung „möglichst nahgelegene Wettkämpfe“ in einer großen Fläche zu bewältigen, entwickelten wir einen alternativen Ansatz: Die Regionsmeisterschaft wird in Disziplinen mit hohen Starterzahlen als dezentrale Meisterschaft ausgetragen. Als Beispiel hier die Meisterschaft Luftgewehr Auflage, die am selben Tag an verschiedenen gleichwertigen Wettkampfstätten in der Region stattfinden könnte und am Abend alle Ergebnisse in der Regionssportleitung digital zusammengefasst werden. Daraus entsteht eine Gesamtliste, die zur Qualifikation an den WSB gemeldet werden kann.

Um die lokale Verbundenheit der Vereine innerhalb der alten Schützenkreise aufrecht zu erhalten, verständigten wir uns auf die Idee Rundenwettkämpfe und Pokalschießen wie bisher weiterlaufen zu lassen. Über eine Neueinteilung der Ligen wird die Ligakommission bei positivem Votum zur Strukturreform entscheiden, daher war hier erstmal kein Handlungsbedarf. Der Auftrag an uns wurde nach dem Kamingespräch konkreter: Die neuen Ideen in den Vorständen besprechen und auf der ersten außerordentlichen Hauptausschusssitzung im Juni die ersten Ergebnisse präsentieren.

In dieser ersten Sitzung berichteten einige Kreise über bereits geführte Gespräche, während andere noch keine Gelegenheit dazu hatten. Einige Kreise haben ihre Bereitschaft zu Gesprächen jedoch konsequent abgelehnt. Bedauerlicherweise wurde die Diskussion teilweise wieder von einer sachlichen auf eine persönliche Ebene verlagert. Im sportlichen Bereich konnten wir eine deutliche Konkretisierung der Vorschläge zum zukünftigen Ablauf von Meisterschaften und Ligabetrieb anhand einer Präsentation der Verbandssportkommission sehen.

Eine zweite außerordentliche Hauptausschusssitzung wurde im August abgehalten. Auch hier wurde über einzelne Gespräche zwischen den Kreisen berichtet. Der Kreis Teutoburger Wald e.V. bleibt eigenständig und der Kreis Haltern-Dorsten führte erste Fusionsgespräche mit Gelsenkirchen. Die Kreise aus der Region Münsterland konnten über weitere positive Abstimmungsgespräche berichten. Ein Zusammenschluss von Ahaus, Coesfeld-Borken, Steinfurt und Münster-Warendorf schien möglich.

Im Verein und auf Kreisebene habe ich die Mitglieder in mehreren Treffen über die Sachstände informiert und mich mit den Vertretern abgestimmt. Mein Votum sollte schließlich nicht meine persönliche Meinung widerspiegeln, sondern die Mehrheit im Verein bzw. Im Kreis. In diesen Gesprächen kamen ständig gute Impulse und Ideen, die das Projekt „Kreisverband Münsterland“ weiter voranbringen konnten.

Mit einer Spur Skepsis ging ich dann aber doch am 03. Oktober in Münster-Hiltrup als Vereins- und Kreisdelegierter in die Abstimmung zur Satzungsänderung. Beschlossen werden sollte die Abschaffung der Bezirke ohne konkrete Festlegung von Kreiszusammenschlüssen. Zu meiner Überraschung bekam der Antrag trotz vieler negativer Stimmen im Vorfeld eine Mehrheit von über 80%. Diese hohe Zustimmung unterstreicht aus meiner Sicht die Notwendigkeit einer Strukturanpassung.

Noch am selben Abend konnten ich mich mit vielen Mitgliedern des Bezirksvorstandes austauschen und wir vereinbarten zügig ein Gespräch zur Abstimmung der nächsten Schritte. Leider trat am selben Wochenende unser bisheriger Bezirksvorsitzender mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt zurück. Zum Glück sprangen seine Stellvertreter ein und der bisherige Vorstand blieb aktiv, um zum einen die Wettkämpfe für das bevorstehende Sportjahr wie gewohnt professionell durchzuführen und zum anderen die nächsten Schritte der Strukturreform anzugehen.

Es fanden weitere Gespräche in den Kreis- und Bezirksvorständen statt, bis wir dann am 01. Dezember in Billerbeck allen Vereinsdelegierten und Interessierten unsere Pläne zum Kreisverband Münsterland vorstellen konnten. Wir thematisierten die Auflösungen der Altkreise und die gleichzeitige Aufnahme in den Bezirk, der sich sodann in Kreisverband Münsterland umbenennen würde. Wir präsentierten Vorschläge zur Auszahlung der aus dem Bezirk ausscheidenden Kreise Teutoburger Wald und Haltern-Dorsten, sowie unsere Idee zur Durchführung der Kreisverbandsmeisterschaften im zentralen und dezentralen Modus. Auch stellten wir eine mögliche neue Vorstandsstruktur vor inklusive der Bildung von Ausschüssen für Sport, Jugend und die vier Altkreise. Jeder dieser Ausschüsse sollte bei Bedarf zusammenkommen und seine spezifischen Interessen im Kreisverbandsvorstand vertreten. Am Ende stellten wir uns den Fragen und Bedenken der Anwesenden. Vor allem aus dem Bogensport kam Skepsis, da sich der Bogensport bislang hauptsächlich selbst organisiert und verwaltet hat. Es gab keine Kreismeisterschaften, wohl aber Meisterschaften auf Bezirksebene. Diese wurden komplett in Eigenregie durch die Bogensportverantwortlichen durchgeführt. Hier wurden in den letzten Wochen Signale zur Veränderung seitens Geschäftsstelle und Landesbogenreferent an die beteiligten Bogensportvereine verschickt. Auf dieser Ebene scheint es noch weiteren Abstimmungsbedarf zu geben. Trotzdem standen die Bogensportvereine der neuen Struktur schlussendlich aufgeschlossen gegenüber.

Strukturreform Mike Vahlenkamp Versammlung

Im März/April führten unsere vier Kreise ihre Delegiertentage durch, um über die Auflösung abzustimmen. Für fast alle Vereinsdelegierten war klar: Wenn es zum Zusammenschluss der vier Kreise zu einem Kreisverband Münsterland kommt, behält unsere Region einen leistungsfähigen Vorstand und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Wettkämpfe werden weiterhin professionell und erfolgreich durchgeführt, Jugend und Breitensport kann weiter ausgebaut werden und der Schießsport in der Region rüstet sich gegen aktuelle Herausforderungen, wie beispielsweise den Schwund im Ehrenamt.

Am 03. Juli 26 gingen wir nun gemeinsam über die Ziellinie. Das Projekt „Kreisverband Münsterland“ fand seinen rechtlichen Abschluss auf der Delegiertenversammlung des Bezirks Münsterland: Die einstimmige Umbenennung in Kreisverband Münsterland - bei vier Enthaltungen. 76 Vereine mit über 6000 Mitgliedern gehören dem Kreisverband fortan an.

Die Kreisverbandsmeisterschaften in den Kugeldisziplinen sind bereits für Anfang 2027 terminiert und ausgeschrieben. Rundenwettkämpfe und Pokalschießen finden weiterhin auf Altkreisebene statt mit Unterstützung durch die bisherigen Verantwortlichen. Die neuen Liga-Zuordnungen werden für die Saison 27/28 durch die Liga- und Sportkommission unseres Verbandes vorgegeben. Die Planungen der Bogen-Meisterschaften sind unter Berücksichtigung der bisherigen Strukturen auf der Zielgeraden.

Als Vorsitzender des ersten Kreisverbandes im WSB bleiben mir zum Schluss zwei wichtige Dinge zu sagen:

Zum einen möchte ich dem ganzen Team danke sagen. Danke an die Mitglieder der Strukturkommission, dass sie sich dieser schwierigen Herausforderung gestellt haben. Ebenfalls danke an das Präsidium und die Geschäftsstelle für ihre Rechtsberatungen und jede sonstige Form der Hilfestellung. Auch an die Mitglieder des Bezirksvorstandes für ihre Zuversicht und ihren Einsatz an der neuen Struktur als Kreisverband mitzuarbeiten und weiter Vorstandsarbeit zu übernehmen. Mein größter Dank gilt jedoch den bisherigen Kreisvorsitzenden und allen Vereins-Delegierten. Ihr hab unsere Ideen an die Basis gebracht und diese schließlich überzeugt gemeinsam neue Wege zu gehen. Nicht als kleine Inseln, sondern als eine große Einheit!

Zum anderen möchte ich nochmals an alle anderen Delegierten der übrigen Untergliederungen appellieren, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen. Die Strukturreform verliert an Energie, wenn wir nur die 7 Bezirke zum Jahresende auflösen. Weitere Kreise müssen fusionieren, um auf maximal 20 Untergliederungen zu kommen, damit z.B. Gremien wie der Hauptausschuss zukünftig effektiver arbeiten können. Jede Untergliederung muss handlungsfähige Vorstände haben - auch noch in 10 Jahren. Hier können Zusammenschlüsse unter Nachbarn ein Schlüssel zum Erfolg sein. Als Vertreter von vielen hunderten Mitgliedern muss man persönliche Befindlichkeiten beiseitelegen und sich ausschließlich auf das Gemeinwohl konzentrieren.

Packen wir es gemeinsam an! Für den Sport, für die Tradition, für die Zukunft des WSB.

Gut Schuss, alle ins Gold und Horrido,
Mike Vahlenkamp 

Strukturreform Mike Vahlenkamp

Text und Fotos: Mike Vahlenkamp