Damit bleibt Sherwood Herne im Norden das aktuelle Maß der Dinge und kann wieder eine Medaille mehr auf dem ewigen Medaillenspiegel vorweisen.
714 Zuschauer jubelten dem neuen Champion der Bundesliga Bogen zu: Die FSG Tacherting gewann in der Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit in Wiesbaden das packende Goldfinale gegen Sherwood BSC Herne mit 6:4 (57-59, 57-56, 59-57, 56-57, 57-55) und zog damit mit den jeweils fünf Mal erfolgreichen Rekordsiegern BSC BB Berlin und SGi Welzheim gleich. Bronze sicherte sich der SV Dauelsen nach einem 6:5 im Stechen (56-56, 56-58, 56-58, 59-56, 60-58, 29-28) gegen den entthronten Titelverteidiger BSG Ebersberg, der damit das angestrebte Triple verpasste.
Goldmatch: Tacherting zum Fünften
Nord- gegen Südmeister lautete das Duell um den begehrten Meisterspiegel und war eine logische Konsequenz der gesamten Saison. Sherwood BSC Herne mit den Schützen Mathias Kramer, Rabea Moschner und Lukas Winkelmeyer stand wie im vergangenen Jahr erneut im Goldfinale. Damals hatte es zu Silber gereicht. Nun sollte der Gold-Coup gelingen, es wäre nach 2011 und 2014 der dritte Titelgewinn. Doch das Team der FSG Tacherting mit dem Trio Katharina Bauer, Moritz und Felix Wieser hatte natürlich etwas dagegen. Zumal für die Bayern die Chance bestand, mit einem Triumph mit den Rekordsiegern BSC BB Berlin und SGi Welzheim (jeweils fünf Titel) gleichzuziehen.
Sherwood kam weitaus besser in die Partie, lediglich eine Neun war im ersten Satz zu verzeichnen (59-57). Und auch im zweiten Satz schien die Zehn für die Bayern zunächst wie vernagelt (3x9), doch die Herner nahmen das Geschenk nicht an und brachten ebenfalls „nur“ 27 Ringe auf die Scheibe. Am Ende ging der Satz knapp an die Tachertinger, weil ein Pfeil aufgewertet wurde (57-56) - die Anspannung der sechs Schützen und der Zuschauer war förmlich spürbar. Und löste sich in der Folge, denn im dritten Satz schossen beide Teams jeweils fünf Zehner. Da Moschner jedoch eine Sieben unterlief, ging Tacherting in Führung. Tacherting benötigte „nur“ noch einen Satz, und zwei Zehner von Bauer und Felix Wieser hätten den Sieg bedeutet. Doch beide schossen eine Neun, sodass Sherwood zum 4:4 ausglich – der nächste Satzgewinn bedeutete die Entscheidung. Sherwood legte lediglich 27 Ringe vor, doch auch die Tachertinger brachten nur die gleiche Ringzahl auf die Scheibe. 55 Ringe waren es am Ende bei den Westfalen, Moritz Wieser mit einer Zehn, Bauer mit einer Zehn und Felix Wieser mit einer Neun konterten, ließen sich diese Chance nicht entgehen und siegten mit 57-55 (weil ein Pfeil noch aufgewertet wurde) und 6:4 nach Sätzen. Bauer sagte danach: „Der Sieg bedeutet uns sehr viel, der geht bei uns im Verein in die Geschichtsbücher ein. Das verbindet einen, ein schöner Moment und schöner Tag.“ Als entscheidenden Faktor machte Bauer die Konzentration auf das Wesentliche aus: „Der Knackpunkt war, dass wir versucht haben, nur bei uns zu bleiben. Es war ab dem ersten Match mental superanstrengend, und wir haben uns gesagt, alles Unnötige auszublenden.“ Eine Erklärung, warum erneut der Süden vornelag, hatte die zweifache Europameisterin des vergangenen Jahres auch: „Ob Nationalkader- oder Breitensportler, hier kann jeder gewinnen und das ist das Schöne! Aber in den Südmannschaften finden sich mehr Kadersportler, die in den entscheidenden Momenten das Quäntchen mehr Erfahrung mitbringen.“
Sherwood gelang es abermals nicht, die Siegesserie der Südklubs zu durchbrechen, die seit 2019 sämtliche Titel gewannen. Dennoch war Kramer zufrieden: „Natürlich ist Frust da, wenn man verliert. Aber am Ende sind wir zufrieden, mit Silber rauszugehen, wenn man weiß, wie gut Tacherting ist. Es fehlt nicht viel, aber wir Kaderschützen sind natürlich abgebrühter, weil wir diese Situationen gewohnt sind. Aber wenn nächstes Jahr die Möglichkeit da ist, schlagen wir zu und holen den Spiegel.“
Sherwood BSC Herne – FSG Tacherting: 4:6 (59-57, 56-57, 57-59, 57-56, 55-57)
Bronzematch: Dauelsen mit 29:28 im Stechen zu Bronze
Zweifellos hatten der SV Dauelsen und die BSG Ebersberg die Ambitionen gehabt, im Goldfinale zu stehen. Dementsprechend war die Frage, wer mit der Halbfinal-Niederlage besser umging: Der entthronte Titelverteidiger aus Bayern oder die Niedersachsen um Top-Schütze Florian Unruh, der auch auf seine „Silber-Kollegin“ von Paris 2024, Michelle Kroppen, traf. Der Start in das Duell verlief nicht unerwartet etwas zäh (56-56), danach zogen vor allem die Ebersberger an und gingen 3:1 und 5:1 in Führung – auch weil das Team von Trainer Andreas Hehenberger nicht über 56 Ringe hinauskam. Mit dem Rücken zur Wand steigerten sich Andreas Gerhardt, Sebastian Rohrberg und Florian Unruh zunächst auf 59 Ringe und dann gar auf die perfekten 60. Damit war der Ausgleich geschafft, und ein Stechen musste über die Bronzemedaille entscheiden. In diesem schien das Trio aus Dauelsen auf der Verliererstraße zu sein, da 28 Ringe vorgelegt wurden und Ebersberg mit perfekten 20 Ringen gestartet war. Doch Kroppen schoss nur eine Acht, und als ein Pfeil von Dauelsen aufgewertet wurde, schrie Trainer Andreas Hehenberger seine Freude heraus. Für Dauelsen ging es erstmals nach dem Sieg 2017 wieder auf das Treppchen, Hehenberger dankte unter Tränen seinem Team, auch Florian Unruh freute sich: „Wir sind sehr zufrieden, haben das gut gemacht, haben gut geschossen. Es ist schön, dass wir unserem Trainer, der enorm viel investiert, etwas zurückgeben konnten.“
Halbfinals: Sherwood und Tacherting im Goldfinale
In den Halbfinals gab es wie im vergangenen Jahr ein reines Süd- und ein reines Nord-Duell: Zunächst trafen Nordmeister Sherwood BSC Herne und Nord-Vize SV Dauelsen aufeinander. In der Vorrunde lautete die Bilanz pro Herne 3:1-Siege, in beiden Teams standen die Top-Schützen der Saison: Florian Unruh mit einem Vorrundenschnitt von 9,85, Mathias Kramer von 9,78 pro Pfeil. Und erwartungsgemäß schenkten sich die beiden Teams nichts: Sherwood legte vor, Dauelsen zog nach. In den ersten zwei Sätzen geschah dies nach dem gleichen Drehbuch: 57 Ringe für Sherwood, 57 Ringe für Dauelsen. 59 Ringe für die Westfalen, 59 Ringe für die Niedersachsen. Erst im dritten Satz gelang einem Team die Führung, als die Herner von ihren sechs Pfeilen lediglich einen in die Neun setzten, die Dauelsener deren zwei (59-58). Zwar schoss Dauelsen auch im vierten Satz gut, aber nicht gut genug, denn die 57 Ringe waren gegen die enorm stabile Truppe von Trainer Reinhard Kisselbach zu wenig. Kramer brauchte die Zehn, er schoss die Zehn und Sherwood zog wie im vergangenen Jahr in das Goldfinale ein.Während sich Südmeister FSG Tacherting souverän mit drei Siegen für das Halbfinale qualifiziert hatte, musste Titelverteidiger BSG Ebersberg arg um den Einzug in die Vorschlussrunde zittern. Dennoch versprach das stets brisante Duell Hochspannung pur, schließlich standen fünf aktuelle und ein ehemaliger (Felix Wieser) Kaderschütze an der Schießlinie. Dementsprechend hoch war das Niveau: Satz eins ging an die Tachertinger (59-57), die ihre herausragende Form aus der Vorrunde (sieben Mal 59 oder 60 Ringe) konservierten. Doch der Titelverteidiger schlug mit 58 Ringen und dem Ausgleich zurück. Auch das zweite Halbfinale verlief zunächst völlig ausgeglichen, zumal der dritte Satz extrem hochklassig und eng (60-59 für Tacherting) ausging. Vieles deutete im vierten Satz auf Punkteteilung hin, doch unter Zeitdruck setzte Felix Wieser seinen letzten Pfeil lediglich in die Acht – Ebersberg konnte zum 4:4 ausgleichen. Doch die Tachertinger ließen sich davon nicht beeindrucken, legten erneut 59 Ringe vor, die der Konkurrent nicht kontern konnte.
Sherwood BSC Herne – SV Dauelsen: 6:2 (57-57, 59-59, 59-58, 58-57)
FSG Tacherting – BSG Ebersberg: 6:4 (59-57, 57-58, 60-59, 57-59, 59-57)
ERGEBNISSE
TEXT DSB FOTOS DSB, ECKHARD FRERICHS